Jüdisches Speyer im Mittelalter

Speyer beherbergte im Mittelalter eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden nördlich der Alpen. Im 11. Jahrhundert kamen Juden aus Italien und Frankreich als Fernkaufleute und Bankiers in die Stadt. Bischof Rüdiger Hutzmann nahm 1084 jüdische Flüchtlinge aus Mainz auf, wodurch er die Gründung einer jüdischen Gemeinde in Speyer ermöglichte. Diese nahm er unter seinen Schutz und übertrug ihr besondere Rechte. Noch vor vor 1128 wurden die ersten Baumaßnahmen im Judenhof durchgeführt.

Mehr als 400 Jahre lang bestand die jüdische Gemeinde von Speyer oder "Schpira" nach hebräischer Umschrift. Bis ins 13. Jahrhunderts kamen Gelehrte von überall auf der Welt an den Rhein, um bei den „Weisen von Speyer“ zu lernen. Das meist friedvolle Miteinander von Juden und Christen wurde jedoch im 14. Jahrhundert durch antijüdische Stimmungen abgelöst. Um 1500 endete die Geschichte der mittelalterlichen Judengemeinde von Speyer; die Gründe ihres Untergangs sind nicht vollständig geklärt.

 

Der Judenhof mit mittelalterlicher Mikwe heute

Neben dem Kaiserdom ist das Areal des Judenhofes mit seinem Reinigungsbad und den Überresten der Synagoge die wichtigste Kulturstätte des Mittelalters  in Speyer und hält das Andenken an mehr als ein Jahrtausend jüdischer Geschichte wach. Seine stilistische Ausgestaltung zeigt eine enge Verwandtschaft mit dem am Anfang des 12. Jahrhunderts abgeschlossenen Dombau. Das Ritualbad, die Mikwe, ist zur gleichen Zeit wie die Synagoge unter Beteiligung von Handwerkern der Dombauhütte errichtet worden.

Der Judenhof-Komplex hat eine wechselvolle Geschichte überdauert und in den vergangenen Jahrhunderten zunächst 400 Jahre lang als Ritualbad gedient, später dann als Städtisches Zeughaus, als Waffenarsenal und Pulverlager und schließlich als eine fast vergessene Oase der Ruhe, an die nur Eingeweihte sich erinnerten.

Im Jahr 1989 beschloss der Verkehrsverein, das Judenbadareal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und einen ehrenamtlichen Besucherdienst aufzubauen. Die touristische Betreuung, die zunächst nur als ein Geschenk an die Stadt Speyer zum 2000-jährigen Jubiläum für das Jahr 1990 gedacht war, wurde, nachdem die erste Saison eine überraschend hohe Resonanz gefunden hatte, bis heute erfolgreich fortgesetzt. In den Jahren seit 1989 haben mehr als 700.000 Gäste das Judenhofareal besucht. Mit umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten in den Jahren 1998 und 1999 und später bis 2001 mit den Grabungen im Synagogenbereich wurde die heutige Neugestaltung erreicht, die die Fachwelt und die Besucher aus allen Ländern der Erde voller Staunen und Hochachtung auf dieses Kleinod der Jüdischen Kulturgeschichte in Speyer blicken lässt.


 

Interessant
Jüdische Grabsteine aus Speyer sind im Internet unter www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat in Wort und Bild einsehbar. Der Besuch dieser digitalen Präsentation lohnt sich. Unter dem Stichwort „lokal“ und dann unter Speyer befinden sich 51 Inschriften aus dem Zeitraum von 1145 bis 1407.